
Bidirektionales Laden: Wenn Ihr Elektroauto zum Energiespeicher wird
Elektroautos können künftig mehr als nur fahren. Mit bidirektionalem Laden lässt sich Energie nicht nur aufnehmen, sondern bei Bedarf auch wieder abgeben. Volkswagen plant gemeinsam mit Elli das erste kommerzielle Vehicle-to-Grid-Angebot (V2G) und macht das Elektrofahrzeug damit zu einem aktiven Bestandteil der Energiewende.
Was ist bidirektionales Laden?
Beim bidirektionalen Laden fließt Strom in beide Richtungen. Das Fahrzeug kann Energie speichern und später wieder bereitstellen.
Dabei gibt es verschiedene Einsatzmöglichkeiten:
- Vehicle-to-Home (V2H): Stromversorgung des eigenen Haushalts
- Vehicle-to-Load (V2L): Betrieb externer Geräte
- Vehicle-to-Grid (V2G): Rückspeisung von Energie ins öffentliche Stromnetz
Besonders Vehicle-to-Grid eröffnet neue Möglichkeiten, da die Fahrzeugbatterie als flexibler Energiespeicher genutzt werden kann.
Mit dem Elektroauto Geld verdienen
Ist das Fahrzeug an einer geeigneten Wallbox angeschlossen, kann seine Speicherkapazität am Strommarkt genutzt werden. Dafür erhalten Fahrzeughalter eine Vergütung.
Laut Volkswagen und Elli sind jährliche Erlöse von rund 700 bis 900 Euro möglich. Zusätzlich kann eine Vergütung entstehen, wenn tatsächlich Strom ins öffentliche Netz zurückgespeist wird.
Welche Voraussetzungen sind nötig?
Für die Nutzung werden benötigt:
- ein V2G-fähiges Elektrofahrzeug
- eine bidirektionale DC-Wallbox
- ein Smart Meter
- ein passender Stromtarif
- die Steuerungs-App von Elli
Die technische Steuerung, Abrechnung und Vergütung erfolgen weitgehend automatisch. Über die App können Sie jederzeit festlegen, wann Ihr Fahrzeug wieder mit dem gewünschten Ladestand zur Verfügung stehen soll.
Welche Volkswagen Modelle sind für bidirektionales Laden geeignet?
Bereits heute unterstützen Fahrzeuge der ID. Familie mit ID. Software 3.5 und einer Batteriekapazität ab 77 kWh netto bidirektionales Laden für Vehicle-to-Home-Anwendungen.
Mit dem Modelljahr 2027 und der ID. Software 6 soll die Funktion für alle Modelle der ID. Familie verfügbar werden.
Häufig gestellte Fragen rund um das bidirektionale Laden
Was muss ich machen, um in den Lademodus "Bidirektionales Laden" zu kommen?
Legen Sie zunächst im Lademenü Ihres Volkswagen ID. einen Ladeort an.
Wenn Sie anschließend den Ladestecker einer kompatiblen bidirektionalen DC-Wallbox mit dem Fahrzeug verbinden, wird Ihnen der Lademodus „Bidirektionales Laden“ im Infotainment als Ladeoption angezeigt.
Welche technischen Besonderheiten gibt es bei der Funktion "Bidirektionales Laden"?
Bei Volkswagen ID. Modellen mit ID. Software ab 3.5 und unter ID. Software 6 wird für bidirektionales Laden eine Hochvoltbatterie ab 77 kWh benötigt.
Für diese Fahrzeuge ist die Entladefunktion auf eine definierte Energiemenge bzw. Betriebszeit begrenzt. Die maximale Entlademenge liegt bei 10.000 kWh, die maximale Betriebzeit bei 4.000 Stunden Entladung.
Werden die neuen ID. Modelle ab der ID. Software 6 weiterhin die Entlademengen-, Betriebszeiten- sowie Batteriegrößen-Begrenzung haben?
Nein. Mit der ID. Software 6 gelten für neue Fahrzeuge unabhängig von der Batteriegröße keine Begrenzungen für die Entlademenge oder die maximale Betriebszeit beim bidirektionalen Laden.
Was bedeutet virutelle Batterielaufleistung bzw. was sind virtuelle Distanzen?
Ab der ID. Software 6 führt Volkswagen die sogenannte virtuelle Distanz ein. Sie macht nachvollziehbar, wie die Hochvoltbatterie insgesamt genutzt wurde – beim Fahren und beim bidirektionalen Laden.
Neben real gefahreren Kilometern wird auch die Energie berücksichtigt, die das Fahrzeug über Vehicle-to-Home, Vehicle-to-Load oder Vehicle-to-Grid abgegeben hat. Diese abgegebene Energie wird in eine virtuelle Distanz umgerechnet. Die virtuelle Distanz kann nicht zurückgesetzt werden.
So entsteht ein transparenter Überblick über die Gesamtnutzung der Hochvoltbatterie. Die reale Fahrtstrecke und die virtuelle Distanz werden im Zentraldisplay dargestellt.
Hat bidirektionales Laden Einfluss auf meine Garantie?
Volkswagen gibt weiterhin eine Garantie auf die Hochvoltbatterie: bis maximal 160.000 km Laufleistung oder 8 Jahre Nutzungsdauer auf einen Netto-Energiegehalt von mindestens 70 %.
Da bidirektionales Laden die Hochvoltbatterie außerhalb des Fahrbetriebs nutzt, führt Volkswagen ab ID. Software 6 die virtuelle Distanz ein. Sie zeigt, wie die Batterie insgesamt genutzt wurde – sowohl durch das Fahren als auch durch Vehicle-to-Home, Vehicle-to-Load oder Vehicle-to-Grid.
Für Fahrzeuge mit einer Hochvoltbatterie größer 56 kWh netto bleibt die Garantie an die real gefahrenen Kilometer gebunden.
Bei Fahrzeugen mit einer Hochvoltbatterie kleiner 56 kWh netto wird die Garantie an die Summe aus real gefahrenen Kilometern und virtueller Distanz gebunden (ausgenommen ist der ID.3 Neo). Diese Summe ergibt die Gesamtlaufleistung.
Kann ich im V2H- oder V2G-Kontext mit jeder beliebigen Wallbox bidirektional Laden?
Nein. Für bidirektionales Laden (V2H oder V2G) benötigen Sie eine spezielle kompatible bidirektionale DC-Wallbox.
Die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Wallbox erfolgt beim bidirektionalen Laden Volkswagen-spezifisch. Deshalb ist bidirektionales Laden im Vehicle-to-Home-Kontext derzeit nur mit den von Volkswagen freigegebenen kompatiblen bidirektionalen DC-Wallboxen möglich.
Eine Übersicht der kompatiblen Wallboxen finden Sie hier.
Vehicle-to-Grid wird künftig als Teil eines integrierten Gesamtangebots mit Elli und den dafür vorgesehenen kompatiblen Wallboxen verfügbar sein. Weitere Informationen finden Sie auf der Elli Landing Page.
Ist bidirektionales Laden mit einer Photovoltaik-Anlage sinnvoll?
Für Haushalte mit einer eigenen PV-Anlage kann bidirektionales Laden besonder interessant sein, da sich selbst erzeugter Strom flexibler nutzen lässt. Wir groß allerdings der praktische und wirtschaftliche Nutzen ist, hängt vom Einzelfall ab.


